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20. Jahrhundert

1902 - John Beard behandelt Krebspatienten mit Enzymen.

Der schottische Embryologe John Beard behandelt im Jahr 1902 Krebspatienten, mit frisch gewonnenen Enzymen von tierischen Bauchspeicheldrüsen. Sein Buch „Die Enzymtherapie von Krebs“ („The Enzyme Treatment of cancer“) erscheint 1911.

1932 - Ernst Freund und Gisa Kaminer forschen an einer Diät gegen Krebs und entdecken Faktoren, die das Immunsystem blockieren, im Blut krebskranker Menschen.

Ernst Freund, der Direktor der Krebsstation des Rudolfina-Spitals in Wien und seine Assistentin Gisa Kaminer forschen an einer Diät gegen Krebs. Sie mischen 1932 im Reagenzglas Krebszellen mit dem Blut gesunder Patienten, woraufhin sich die Krebszellen auflösten. In einer Mischung mit dem Blut krebskranker Menschen jedoch überlebten die Krebszellen. Dies führte zu der Vermutung, dass im Blut krebskranker Menschen ein Hemmstoff enthalten sei, der verhindert, dass die Krebszellen von den Zellen des Immunsystems angegriffen werden.

Freund und Kaminer wurden 1937 von den Nationalsozialisten verhaftet und enteignet. Es gelang ihnen die Flucht nach England, wo sie jedoch bald verstarben. Ihre Forschungen wurden von Max Wolf, einem Arzt in New York wieder aufgenommen. Wolf stammte aus Wien, lebte aber seit seiner Zwangsexternierung im Jahre 1914 in den USA. Er war regelmäßig nach Wien gereist und hatte bei Ernst Freund gelernt.

1938 - Max Wolf führt die Forschung von Freund und Kaminer weiter.

Max Wolf versucht den Stoff im Blut zu bestimmen, der im Blut Gesunder enthalten war, den Freund und Kaminer im Blut krebskranker Patienten jedoch nicht mehr vorfanden. Er vermutet, dass es sich dabei um Enzyme handelt und führt zahlreiche Versuche durch.

1941 - Adolf Gaschler entdeckt, dass mit Hilfe des Enzyms Trypsin Tumore aufgelöst werden können.

Adolf Gaschler führt an der Berliner Charité Untersuchungen zur Enzymtherapie bösartiger Tumoren und chronischer Entzündungen durch. Eine Publikation der Ergebnisse erscheint 1955 und analysiert, wie mit Hilfe des Enzyms Trypsin Tumoren aufgelöst werden können.

1944 - Max Wolf und Helene Benitez entwickeln Enzymgemische zur Behandlung von Entzündungen und degenerativen Erkrankungen

Max Wolf übernimmt die Leitung des Biological Research Instituts an der Columbia-Universität, wo er seine Forschung zur Enzymtherapie fortsetzen kann. Zusammen mit der Wissenschaftlerin Helene Benitez führt Max Wolf Tausende von Untersuchungen durch, um Enzyme aus tierischen und pflanzlichen Organismen zu isolieren und zu reinigen. Sie entwickeln zwei besonders optimale Enzymkombinationen, die sie zunächst „Wolf-Benitez-Enzymgemische“ nennen: Eine Kombination wurde zur Behandlung von Entzündungen entwickelt, die zweite für degenerative Erkrankungen. Der Name „Wolf-Benitez-Enzymgemisch“ wurde später abgekürzt als „Wobenzym“.

1950 - Max Wolf behandelt die amerikanische „High Society“ mit Enzymen

In seiner New Yorker Praxis behandelt Max Wolf zahlreiche Prominente mit den Enzymgemischen, die er im Labor selbst herstellt und die noch nicht auf dem freien Markt erhältlich sind. Als Hausarzt der Metropolitan Opera kann er die Tenöre Enrico Caruso und Richard Tauber, die Dirigenten und Komponisten Furtwängler und Toscanini sowie die Sängerinnen Lily Pons, Julie Andrews und Lotte Lehmann zu seinen Patienten zählen. Marilyn Monroe, Clark Gable, Marlene Dietrich, Charlie Chaplin, Spencer Tracy und Gary Cooper sowie der Herzog von Windsor, Lord Mountbatten und der Schriftsteller William Somerset Maugham vertrauten sich Wolfs Heilkunst an. Später nahm auch Pablo Picasso die Enzymgemische ein, wie Wolf in seiner Autobiographie berichtet.

1959 - Karl Ransberger und Max Wolf lernen sich in New York kennen – Das Enzymgemisch WoBe wird in Spanien (1959) und Deutschland (1960) als Medikament registriert.

Karl Ransberger, der Geschäftsführer der Münchner Firma Mucos-Emulsionsgesellschaft lernt Max Wolf in New York kennen und ist von Wolfs Therapiekonzept überzeugt. Wolf hat mittlerweile eine österreichische Firma mit der Herstellung von WoBe-Enzymen beauftragt, damit die Präparate günstiger hergestellt und einer größeren Bevölkerung leicht zugänglich gemacht werden könnten. Das Enzymgemisch WoBe wird 1959 in Spanien und 1960 in Deutschland als Medikament eingeführt.

1963 - Ein weiteres WoBe-Enzymgemisch zur Behandlung von Krebserkrankungen und zur Metastasenprophylaxe wird als Medikament in Deutschland zugelassen.

Das von Wolf und Benitz entwickelte Enzymgemisch, das so genannte WoBe-Enzymgemisch (später Wobe Mugos E) wird unter Mitarbeit von Karl Ransberger als Medikament in Deutschland registriert. Es wirkt systemisch sowie lokal und ist für die Behandlung einer Krebserkrankung und zur Metastasenprophylaxe zugelassen.

1965 bis heute - Der medizinische Einsatz von Enzymen wird in internationalen Forschungszentren untersucht.

Enzyme bewähren sich bei der Behandlung von Entzündungen, Ödemen, Rheuma, Herpes Zoster, Sinusitis und Verletzungen sowie zur Wundheilung nach Operationen, zur Modulation des Immunsystems und zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes. Eine gute Wirkung und Verträglichkeit wird festgestellt.

Das von Karl Ransberger entwickelte Enzymkombinationspräparat WOBE-MUGOS E bewährt sich in der Krebstherapie zur begleitenden Behandlung bei Chemo- und Strahlentherapie und zur Metastasenprophylaxe. Die Enzymtherapie entwickelt sich zu einem etablierten Zweig in der komplementären Krebsbehandlung. Das Arzneimittel WOBE-MUGOS E musste im September 2005 aus formaljuristischem Grund vom Markt genommen werden – der Gerichtsentscheid basierte nicht auf der Bewertung des Arzneimittels hinsichtlich pharmazeutischer Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Dadurch entstand eine große Lücke in der Versorgung mit Enzympräparaten zur Krebsbehandlung. Im Dezember 2006 erfolgt die Einführung eines Nahrungsergänzungsmittels mit ähnlicher Zusammensetzung zur Unterstützung des Immunsystems: Wobe-Mucos NEM.

Am Institut für Biochemie der Universität Leipzig befasst sich heute ein Forscherteam um Prof. Gerd Birkenmeier mit dem therapeutischen und prophylaktischen Einsatz von Enzymen in der modernen Medizin. Mit den neuen Erkenntnissen soll u.a. ein therapeutischer Ansatz zur Behandlung von Prostatakrebs bzw. eine Prophylaxe gegen Alzheimer entwickelt werden.